Viele Unternehmensgründer haben ein Pitchdeck für Investoren, das zwar konsequent weiterentwickelt wird, aber meiner Ansicht nach nicht ausreichend ist um in allen Situationen zu bestehen. Zwei (unterschiedliche) Pitchdecks sind nötig um beim jedem denkbaren Pitch zu überzeugen. Es geht explizit nicht um die (Argumentations-) des Pitchdecks, die sollte für beide Decks identisch sein (Wie baue ich ein Pitchdeck auf?), sondern alleine um die vermittelten Inhalte der beiden Decks. Um zu verstehen warum ich dieser Ansicht bin, stellen wir uns zwei hypothetische Situationen vor:

  1. Ihr schickt einem VC euer Pitchdeck, damit er ein Investment prüfen kann
  2. Ihr wurdet vom VC zu einem persönlichen Treffen in deren Räumlichkeiten eingeladen und sollt dort eure Idee bzw. euer Unternehmen vor den Partnern/Investment Managern pitchen. Alternativ: Du pitcht deine Unternehmung bei einem Businessplanwettbewerb etc.

Viele Gründer nutzen für beide Situationen das identische Pitchdeck, dabei ist der Informationsgehalt und auch das Ziel beider Decks situationsbedingt unterschiedlich.

Unterschiede der zwei Pitchdecks

Der große Unterschied liegt in der Masse der Texte, die in beiden Situationen nötig sind. In Situation 1 ist der VC „alleine mit dem Pitchdeck“, er braucht also Text und Erläuterungen um dein Business einschätzen zu können. In Situation 2 pitcht du deine Unternehmung persönlich, hast „Sichtkontakt“ mit deinem Publikum. Du hast also zusätzlich noch die Tonspur um Informationen vermitteln zu können. Viel Text auf den Slides lenkt die Zuhörer in dieser Situation nur von deiner Message ab, weil jeder automatisch anfängt den Text zu lesen und dir nicht zuhört.

Reading-Pitchdeck vs. Live-Pitchdeck

Das Pitchdeck aus der ersten Situation nenne ich „Reading-Pitchdeck“. Es muss genug Informationen für den Leser bereitstellen, damit dieser sich ein erstes Bild vom Unternehmen machen kann. 1-2 Sätze pro Slide und eine nette Visualisierung sind unter Umständen (abhängig von der Komplexität der Unternehmung) zu wenig. Auf der anderen Seite möchte kein VC ein Pitchdeck mit 25+ Slides lesen. Im Idealfall kannst du deine Message in 10 Slides rüberbringen. Test: Schicke das Deck vorher zu einem Freund oder jemand anders, der deine Idee nicht kennt und lass dir von diesem anschließend deine Idee erklären.

In Situation 2 brauchst du ein „Live-PitchDeck“. Es sollte viele Visualisierungen beinhalten und im Idealfall maximal einen Satz pro Slide.  Die Zuhörer sollen dir zuhören und nicht anfangen zu lesen.  Besonders in der Early-Stage wird hauptsächlich in Personen und weniger in Ideen investiert. Damit du als Person aber überzeugen kannst, müssen die Zuhörer sich auch ein Bild von dir machen können. Das geht nicht, wenn sie nur damit beschäftigt sind den Text auf deinen Slides zu lesen. Wer mit einem „Reading-Deck“ pitcht kann nur äußerst selten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.